Der Schnee vom Vortag ist im wahrsten Sinne des Wortes nur noch Schnee von gestern. Denn als Willy heute Morgen nach seinem Schneemann schaut, ist dieser leider nur noch ein Matschklumpen, und die einstigen Pracht dieses Werkes lässt sich nicht einmal mehr erahnen.

Willy ist wütend und will rausgehen, um sich den Schaden von Nahem anzusehen, aber als er vor die Tür geht, rutscht er in dem Matsch, der dort liegt, aus und wäre fast von seinem Ast gerutscht. Willy überlegt sich, wie leicht das sein Ende hätte bedeuten können, und muss sich erst mal hinsetzen, um diesen Schock zu verdauen.

Als er sich schließlich ein bisschen erholt hat, beschließt er, den Matsch von seinem Ast zu räumen, damit nicht noch ein anderer Baumbewohner darauf ausrutschen kann und dabei sein Leben riskiert.

Er holt also seine Schneeschaufel aus dem Haus, die ihm sein Neffe Hugo Holzwurm vor einigen Jahren zu Weihnachten gebastelt hat. Damit fängt er jetzt an, den Matsch vom Ast zu schieben.

Während er so arbeitet, fallen ihm die Vögel auf, die unter dem Baum sitzen und nach den Körnern picken, die der Bauer dort hingestreut hat. In solchen Situationen denkt sich Willy immer, dass Menschen sich wohl nichts bei dem überlegen, was sie tun. Sonnenblumenkerne unter einen bewohnten Baum! Und die fiesen Vögel holen sich dann immer einen Kern und haben nichts Besseres zu tun, als in den Baum zu fliegen, sich dort zum Essen hinzusetzen und dabei unzählige Wurmfamilien in Angst und Schrecken zu versetzen.

Aber zumindest hat der Bauer kein Vogelhäuschen in den Baum gehängt!

Jetzt, da Willy ja „über den Dingen steht“, juckt es ihn in den Fingern, die Vögel ein bisschen zu ärgern, und er schiebt ganz gezielt immer dann den Schnee vom Ast, wenn unter ihm eine blöde Amsel sitzt.

Nach und nach kriegt also jeder Vogel, der da unten nach Futter sucht, eine Portion Schnee ab, bis alle schließlich so genervt sind, dass sie weiterfliegen, um an einer weniger lawinengefährdeten Stelle nach Futter zu suchen.

Dem Bauern fällt am Abend natürlich auf, dass die Vögel seine Sonnenblumenkerne nicht angerührt haben, und er beschließt, sie das nächste Mal im Hof auszustreuen, weil er vermutet, dass ihnen der Platz unter dem Baum nicht gefällt.

Willy ist ganz stolz auf sich: Er hat sein Ziel erreicht und niemandem geschadet. So was nennt man eine friedliche Konfliktlösung!