Heute erwacht Willy Wurm und muss zu seinem Entsetzen feststellen, dass der erste Raureif auf dem Gras vor der Kuhscheune liegt.

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Es ist ziemlich kalt geworden, und langsam macht er sich Sorgen, dass er die Wintermonate zitternd vor Kälte und mit triefender Nase im Bett verbringen werden muss.

Aber da erinnert er sich glücklicherweise daran, dass er beim Suchen eines geeigneten Apfels für das Spinnenhaus auch ein verlassenes Vogelnest gesehen hatte.

Er macht sich also auf den Weg – oder viel mehr auf den Ast, wie es in der Wurmsprache heißt – um in das Nest zu suchen. Er findet es auch ziemlich bald auf dem Adrenalin-Ast, dem fünften Ast von unten. Willy hatte befürchtet, dass das Nest hier zu finden sein würde. Schließlich ziehen die meisten Vogelpaare diesen Ast allen anderen vor, um dort ihr Nest zu bauen, weil dieser Ast einen atemberaubenden Überblick über den Bauernhof bietet. Ab und zu traut sich ein Wurm auch mal auf diesen Ast, um die Aussicht zu genießen. Aber wegen der Vögel ist das immer ein nervenaufreibendes Unterfangen. Daher hat der Ast auch seinen Namen. Adrenalin-Ast. Nicht selten wird er als Mutprobe für die Wurmgangs benutzt: wer sich traut, einmal auf das alleräußerste Blatt zu kriechen und wieder zurück, ist mutig genug, um in die Gang aufgenommen zu werden. Dass dabei noch keiner umgekommen ist, scheint Willy wie ein Wunder.

Aber im Winter hat Willy ja nichts zu befürchten: die Vögel sind entweder in den Süden geflogen oder tummeln sich um das Vogelhäuschen, das an einer Buche am anderen Ende des Bauernhofs hängt. Willy ist dem Bauern sehr dankbar, dass dieser so rücksichtsvoll war, das Häuschen an keines der von Würmern bewohnten Bäume zu hängen!

Am Nest angekommen, schnappt Willy Wurm sich schnell ein paar weiche Daunen und macht sich mit pochendem Herzen schnell wieder davon und ist froh, als er wenig später an seinem Apfelhaus ankommt. Allein schon der Gedanke daran, dass ein Vogel zurückkommen und ihn in seinem Nest vorfinden könnte, macht Willy wahnsinnig vor Angst.

Aber jetzt, da er wieder in seinem Apfelhaus und somit in Sicherheit ist, beruhigt er sich langsam wieder und fängt an, seinen Apfel von innen mit Federn auszukleiden und schon bald ist es kuschelig warm, so dass er sich sogar schon ein bisschen auf den ersten Schnee freut, den er von hier drinnen in aller Gemütlichkeit beobachten möchte.